Rund um`s Ohr

Rund ums Ohr

 

 

Gedehnte Piercings sind wahrscheinlich so alt wie Piercings selber.


Alle modernen Dehnungsmethoden wurden bereits von indigenen Kulturen angewandt.

 

Die Indios des Amazonasgebietes unterscheiden etwa Ihre Stammeszugehörigkeit und soziale Schicht anhand von Ohrgehängen, Lippenpflöcken und Nasenschmuck.


Die Massai in Kenia wiederum zeichnen sich durch künstlich in die Länge gezogene Ohren aus.


In Südäthiopien lassen sich Frauen vom Stamm der Surma sechs Monate vor der Hochzeit die Unterlippe durchstechen, um diese dann mit Hilfe von Scheiben zu verlängern. Je grösser die Scheibe zum Zeitpunkt der Hochzeit, desto höher der Brautpreis.


In Teilen Indiens gilt Nasen- und Ohrschmuck als Zeichen von Reichtum. In Malaysia perforieren sich Hindus bei religiösen Festen Wangen und Haut am Oberkörper.


In Europa war der Ohrschmuck ausgenommen das Durchstechen der Haut lange Zeit ungebräuchlich. Ähnlich den Tätowierungen erlebte Piercing in den gesellschaftlichen Randgruppen des 18. Jahrhunderts eine Renaissance. Man grenzte sich bewusst gegen die «normalen» Bürger ab und schuf sich ein Zugehörigkeitszeichen zu einer eigenen Gruppe.
So liessen sich etwa Matrosen nach jeder Äquatorüberquerung einen weiteren Ohrring stechen.
Der Nasenring ist ein Mitbringsel der Hippies von ihren Pilgerfahrten.
In der modernen westlichen Gesellschaft wird Piercing als Zeichen der Abgrenzung, als Ausdruck der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe, als Schmuck und als Fetisch verstanden.

Indios So auch bei den Canela-Indianern die in Zentralbrasilien am Rande des tropischen Regenwaldes leben.
Obwohl sie seit vielen Jahren von Eroberern und Einwanderern in ihrer Existenz bedroht werden, konnten sie wesentliche Bestandteile ihrer traditionellen Kultur bis heute bewahren.
Wie bei vielen anderen indigenen Völkern in Afrika oder Indonesien dient Piercing auch bei den männlichen Canela-Indianern als Übergangsritus zum Erwachsenwerden, d.h. als festliche Einführung in eine neue soziale Rolle.
Wenn ein Junge gepierct wird, symbolisiert und ermöglicht dies erst seine Reifung. Die Canela-Indianer glauben, dass ein Junge mit offenen Ohren, also ein gepiercter Junge, empfänglicher ist für das Wissen, das seine Eltern ihm mitgeben wollen, für den Respekt und für Befehle, die er befolgen muss.
Die Scheiben, welche sich die Canela-Indianer in die Ohrlöcher stecken, sind deshalb der ganze Stolz der Jungen und die Freude der Frauen. Bei der Beschreibung eines hübschen jungen Mannes darf die Betonung der Grösse seiner Ohrscheiben denn auch keinesfalls fehlen.

 

 

Zur Vergrößerung eines Piercings gibt es verschiedene Methoden unterschiedlichen Ursprungs und für verschiedene Zwecke. Das einfache Dehnen des Stichkanals wird in der Regel schrittweise im Abstand mehrerer Wochen millimeterschritten vorgenommen, um das Gewebe zu lockern und bei weiterer Vergrößerung nicht einzureißen. Der gedehnte Stichkanal bildet sich nach Herausnehmen des Schmucks jedoch nach einiger Zeit wieder und das Risiko des Einreissens zu minimieren. Das Einschneiden des Kanals dagegen ist schmerzhafter und kann nur durch einen weiteren chirurgischen Eingriff wieder rückgängig gemacht werden.


Die meisten Dehnungsmethoden hinterlassen keine Wunde und ordnungsgemäß durchgeführte Vergrößerungen müssen anschließend nicht verheilen, sondern brauchen lediglich eine „Ruhepause“ bevor sie weiter geweitet werden. Soweit es die Elastizität und Beschaffenheit des Gewebes erlauben, können Piercings auf sehr große Durchmesser gebracht werden. Je größer und länger ein Piercing gedehnt wurde, desto geringer verkleinert sich der Durchmesser nach dem Herausnehmen des Schmucks, was jedoch auch individuell vom Alter und Gewebe des Trägers abhängig ist. Als durchschnittliche Richtlinie wird gesagt, dass sich Ohrlöcher die auf acht bis zehn Millimeter gedehnt wurden nach Herausnehmen des Schmucks meistens wieder vollständig zurückbilden. Schnell gedehnte Kanäle schließen sich in der Regel geringfügiger als langsam gedehnte Kanäle. Übermäßig oder unsachgemäß gedehnte Piercings können irreparable Schäden verursachen. Dabei kann es zu Narbenbildung kommen. Vernarbtes Gewebe ist schwieriger zu dehnen. Besonders bei größeren Durchmessern sollten sowohl das Schmuckstück als auch der Stichkanal regelmäßig gereinigt werden, da es zu erhöhter Talgablagerung und Geruchsbildung kommen kann.